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Statement

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Weihnachtsansprache 2015

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Bürgerinnen und Bürger,

wir hören in diesen Tagen die Weihnachtsgeschichte. Wir hören von der Geburt des Erlösers im Stall, von der Anbetung durch die Hirten. Wir hören von den Geschenken der Weisen aus dem Morgenland.
Vergessen wir aber nicht, was danach folgte: Josef, Maria und das Jesus-Kind mussten ihre Heimat verlassen, weil der Tyrann Herodes die männlichen Neugeborenen töten ließ. Sie flohen aus ihrer Heimat nach Ägypten. Sie blieben dort, bis Herodes gestorben war. Die heilige Familie – eine Flüchtlingsfamilie!
„Flüchtlinge“ ist das Wort des Jahres 2015. Das hat die Gesellschaft für deutsche Sprache entschieden. Mit gutem Grund: Wort und Thema sind in aller Munde. Sie bewegen die Menschen. So Manchen verunsichert gar die Ankunft vieler Fremder, die bei uns Zuflucht suchen. Sie fliehen vor Gewalt und Terror, vor Bedrohung und Benachteiligung. Etliche fliehen gewiss vor bitterer Armut. Leichtfertig haben wohl die Wenigsten ihre Heimat verlassen.

Die große Zahl der Flüchtlinge fordert uns heraus – in Deutschland und auch in Oberfranken: Wir müssen sie menschenwürdig unterbringen und angemessen verpflegen. Jugendliche, die ohne einen Elternteil kommen, brauchen Betreuung. Eine Aufgabe, die vor allem die Bezirke angeht. Kinder benötigen Plätze im Kindergarten und in der Schule. Dort bedürfen sie besonderer Förderung. Es ist wahrhaft eine große Aufgabe, vor der wir stehen.

Ich bin sicher: Wir können sie gemeinsam bewältigen, im Geist christlicher Nächstenliebe. Unsere Demokratie ist stabil. Wir leben in materieller Sicherheit. Der Freistaat Bayern macht seit Jahren keine neuen Schulden mehr. Ja, er baut sogar alte Schulden ab. Auch der Bezirk Oberfranken ist mittlerweile schuldenfrei. Anders als noch vor Jahren ist die öffentliche Hand wieder handlungsfähig.

Bedenken wir, was der Generation unserer Eltern- und Großeltern gelungen ist: In den letzten Kriegsmonaten und nach Kriegsende kamen Millionen aus Ostpreußen und Pommern, aus Schlesien, aus dem Sudetenland und vielen anderen Gebieten. Sicher, es waren Deutsche. Es gab kaum Sprachbarrieren. Die Herausforderungen waren damals andere als heute. Die Zahl der Ankommenden war weit größer. Das Land, das sie erreichten - unser Land - war vom Krieg gebeutelt und litt selber Not. Und dennoch haben wir es geschafft.


Die Ausstellung „Flucht und Vertreibung“ in Hof hat mich tief beeindruckt. Im Lager Moschendorf lebten bis zu 5000 Menschen. In nicht einmal fünf Jahren, bis 1950, passierten rund 600.000 Personen dieses Lager. Und es bestand noch sieben Jahre weiter. Kaum vorstellbar, welche Not diejenigen erlitten hatten, die dort registriert wurden. Kaum vorstellbar auch, welche Last die Alteingesessenen schulterten. Sie hatten doch selber wenig, aber ihre Heimat war ihnen geblieben.

Ein solcher Blick in die Geschichte zeigt doch, wozu wir in der Lage sind. Anders als vor 70 Jahren braucht heute niemand eine Zwangseinquartierung in seinem Privathaus fürchten, wie sie damals viele traf. Jeder wird satt, wir Einheimischen und die Flüchtlinge. Dafür sollten wir dankbar sein.
Wir brauchen uns nicht zu sorgen, dass unsere christlich-abendländischen Traditionen untergehen. Sie werden Bestand haben, wenn wir selbst zu Ihnen stehen und sie bewusst leben. Es liegt an uns, deutlich zu machen, dass hierzulande ausschließlich die Werte unseres Grundgesetzes gelten und dass wir erwarten, dass sich auch unsere Gäste an diese Werte halten.

Ich ermuntere Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, dass wir miteinander beherzt in ein neues Jahr gehen.

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest und für das Neue Jahr alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen.

 

Weitere Informationen:

Die Weihnachtsansprache auf TVO

 

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